Dennis Buchner: Gemeinsame Stärke durch Solidarität – Zum 76. Jahrestag der Gründung des DGB

Am heutigen Tag gedenken wir mit Respekt und Dankbarkeit der Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Seit seinen Anfängen hat der DGB eine unverzichtbare Rolle übernommen – als Stimme der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, als Motor sozialer Fortschritte und als tragende Säule unserer demokratischen Gesellschaft.

Die Gewerkschaften haben vieles möglich gemacht, was heute selbstverständlich scheint – geregelte Arbeitszeiten, Mitbestimmung, tarifliche Entgeltstandards, Absicherung in Notlagen und vieles mehr. Gerade in Zeiten rasanter wirtschaftlicher Veränderungen, Digitalisierung und globalem Wettbewerb ist ihr Engagement aktueller denn je.

In Berlin steht die SPD gemeinsam mit Gewerkschaften an der Seite der Beschäftigten: Wir setzen uns für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne, Weiterbildungsmöglichkeiten und soziale Sicherheit ein. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften leisten dabei eine wichtige Brückenfunktion zwischen Politik, Wirtschaft und Beschäftigten.

Solidarität heißt, füreinander einzustehen – und gemeinsam für bessere Arbeits- und Lebensverhältnisse zu kämpfen.

Herzlichen Glückwunsch zum Jahrestag – und Danke an alle, die den Gewerkschaftsgedanken lebendig halten.

 
Dennis Buchner: In Gedenken an die Opfer des Überfalls am 7. Oktober 2023

Zwei Jahre sind vergangen, seit am 7. Oktober 2023 die Terrororganisation Hamas mit einem brutalen Überfall auf Israel die Welt erschütterte. Der Angriff traf vor allem Zivilistinnen und Zivilisten: Menschen, die an diesem Herbstmorgen nichts anderes taten, als zu feiern, zu schlafen, zu leben. Über 1.200 Menschen wurden nach israelischen Angaben getötet, Tausende verletzt, mehr als 250 verschleppt und als Geiseln in den Gazastreifen gebracht.

Dieser Tag war ein tiefer Einschnitt – nicht nur in der Geschichte Israels, sondern auch in der Geschichte unserer Menschlichkeit. Er steht für den schlimmsten Ausbruch von Gewalt gegen Jüdinnen und Juden seit der Schoa. Und er markiert einen moralischen Tiefpunkt für alle, die an die Kraft des Völkerrechts und die Möglichkeit eines gerechten Friedens im Nahen Osten glauben.

Seit jenem Tag wurden viele Geiseln freigelassen oder konnten durch internationale Vermittlung befreit werden. Doch auch zwei Jahre später befinden sich noch immer Dutzende Menschen in der Gewalt der Hamas – nach aktuellen Informationen rund 48. Niemand weiß mit Gewissheit, wie viele von ihnen noch am Leben sind. Ihre Familien leben in ständiger Angst und Ungewissheit. Sie dürfen nicht vergessen werden. Ihre Freilassung muss weiter Priorität haben – politisch, moralisch und diplomatisch.

Oft heißt es, dieser Konflikt sei weit entfernt von uns. Doch das stimmt nicht. Was im Nahen Osten geschieht, betrifft uns als Demokratinnen und Demokraten, als Gesellschaft, die auf Menschenrechten und Menschlichkeit gründet.

Wir stehen an der Seite derer, die unverschuldet leiden – auf beiden Seiten. Israel hat das Recht, sich zu verteidigen. Aber zugleich dürfen wir nicht wegsehen, wenn Zivilistinnen und Zivilisten in Gaza in Not geraten. Humanitäre Hilfe, medizinische Versorgung und der Wiederaufbau müssen integraler Bestandteil jeder Friedensperspektive sein. Nur so kann ein dauerhafter Frieden entstehen, der Sicherheit und Würde für alle Menschen in der Region garantiert.

Mit Sorge sehe ich, dass in Deutschland antisemitische Tendenzen und Hassrede zunehmen – gerade im Zusammenhang mit dem Krieg in Gaza. Wer Terror verharmlost oder antisemitische Narrative verbreitet, verlässt den Boden unserer demokratischen Werte. Wir müssen diesen Entwicklungen entschieden entgegentreten: auf der Straße, in den Schulen, in den sozialen Medien, überall dort, wo Hass wächst.

Der 7. Oktober 2023 mahnt uns, wachsam zu bleiben. Wir gedenken der Opfer und stehen an der Seite der Familien, die noch immer auf ihre Angehörigen warten. Jede Freilassung, jedes Lebenszeichen ist ein kleiner Schritt hin zu Menschlichkeit – und doch bleibt das Ziel unverrückbar: Kein Mensch darf in Geiselhaft bleiben.

Nicht wegschauen. Nicht resignieren. Sondern handeln – solidarisch, menschlich, klar. Das bleibt unsere Verantwortung.

 
Dennis Buchner: Erinnerung an die Gründung der SDP in Schwante – Mut zur Demokratie im Herbst 1989

Am 7. Oktober 1989, in einem kleinen märkischen Dorf namens Schwante nördlich von Berlin, trafen sich mutige Frauen und Männer, um Geschichte zu schreiben. Während die DDR-Führung noch an ihrem 40. Staatsjubiläum festhielt, gründeten engagierte Bürgerinnen und Bürger im evangelischen Gemeindehaus die Sozialdemokratische Partei in der DDR (SDP) – die Keimzelle der heutigen SPD Ostdeutschlands.

Was damals geschah, war mehr als ein organisatorischer Akt. Es war ein Aufbruch. In einer Zeit, in der freie Meinungsäußerung und politische Selbstbestimmung noch unterdrückt wurden, bekannten sich die Gründungsmitglieder der SDP zu Freiheit, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit. Sie forderten eine umfassende Demokratisierung von Staat und Gesellschaft und verbanden das sozialdemokratische Ideal mit ökologischer Verantwortung – ein Anspruch, der bis heute nichts an Aktualität verloren hat.

Zu den Initiatoren gehörten die evangelischen Theologen Martin Gutzeit und Markus Meckel, deren Aufruf im Sommer 1989 den Weg bereitete. Zum ersten Geschäftsführer wurde Ibrahim Böhme gewählt. Mit großem persönlichen Risiko legten sie den Grundstein für die Rückkehr der Sozialdemokratie in Ostdeutschland – und damit für den demokratischen Neubeginn nach der Friedlichen Revolution.

Dennis Buchner, Vizepräsident des Abgeordnetenhauses von Berlin (SPD):
„Die Gründung der SDP in Schwante war ein Akt des Mutes und der Hoffnung. Diese Menschen glaubten an die Kraft der Demokratie – in einer Zeit, in der das alles andere als selbstverständlich war. Ihr Engagement mahnt uns bis heute, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität zu verteidigen und immer wieder neu mit Leben zu füllen.“

Heute, 36 Jahre später, erinnern wir uns an diesen Moment als Teil unserer gemeinsamen demokratischen Geschichte. Die SDP-Gründung war ein Signal an alle, die sich nach einem anderen, besseren Deutschland sehnten – frei, gerecht und solidarisch.

 
Dennis Buchner: 35 Jahre Deutsche Einheit – Gemeinsame Erfolge würdigen, Herausforderungen anpacken

Am 3. Oktober feiern wir in diesem Jahr das 35. Jubiläum der Deutschen Einheit. Dieser Tag ist mehr als ein historisches Datum – er ist ein Symbol für Freiheit, Demokratie und die Kraft des Zusammenhalts. Millionen Menschen in Ostdeutschland haben damals den Mut bewiesen, für ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung einzustehen. Ihnen gilt unser Dank.

Seit 1990 haben wir gemeinsam viel erreicht. Aus zwei Staaten ist ein Land geworden, in dem Generationen heranwachsen, die die Teilung nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen. Straßen, Schienen und Städte wurden modernisiert, internationale Unternehmen haben in den neuen Bundesländern investiert, und der Ausbau der erneuerbaren Energien macht Ostdeutschland zu einer Vorreiterregion in der Energiewende. Weniger bekannt, aber nicht minder bedeutsam ist, dass auch die Natur profitiert hat: Wo früher Industrie die Umwelt stark belastete, haben sich seit der Einheit beeindruckende Landschaften erholt. Nationalparks – von der Ostseeküste bis in die Sächsische Schweiz – sind heute Orte der Artenvielfalt und Naherholung.

Und doch: Die Deutsche Einheit ist ein Projekt, das weitergeführt werden muss. Unterschiede in Einkommen, Vermögen oder bei der Repräsentanz von Ostdeutschen in Führungspositionen sind bis heute sichtbar. Diese Ungleichheiten dürfen wir nicht hinnehmen. Es bleibt die Aufgabe der Politik, konsequent für gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Regionen einzutreten – durch Investitionen, gute Arbeit, faire Löhne und eine starke öffentliche Daseinsvorsorge.

Das 35. Jubiläum erinnert uns auch daran, dass Demokratie und Frieden keine Selbstverständlichkeiten sind. Sie müssen Tag für Tag verteidigt und mit Leben gefüllt werden. Einheit bedeutet nicht nur wirtschaftlichen oder sozialen Ausgleich, sondern auch das feste Band einer gemeinsamen Wertebasis: Respekt, Solidarität und Zusammenhalt.

Die Deutsche Einheit ist eine Erfolgsgeschichte – aber sie ist nicht abgeschlossen. Sie bleibt ein Auftrag für uns alle.

 
Dennis Buchner: Erinnerung an Julius Gumbel: Der Statistiker, der rechten Terror sichtbar machte

Heute möchte ich an eine Persönlichkeit erinnern, der vielen unbekannt sein dürfte, der jedoch seinen Platz in der Geschichte des letzten Jahrhunderts gefunden hat. Emil Julius Gumbel wurde 18. Juli 1891 in München geboren und verstarb am 10. September 1966 in New York.

Am 6. August 1932 verliert der jüdische Mathematiker und Statistiker seine Lehrerlaubnis an der Universität Heidelberg – ein symbolträchtiges Datum, das für den politischen Druck auf kritische Intellektuelle in der späten Weimarer Republik steht. Gumbel war zu dieser Zeit nicht nur ein angesehener Professor, sondern vor allem ein unbequemer Mahner, der das Schweigen über rechten Terror durchbrach.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs häufen sich in der Weimarer Republik politische Morde, vor allem durch rechtsradikale Gruppierungen. Während große Teile von Justiz und Medien die Täter schonen oder gar glorifizieren, beginnt Gumbel 1919 mit der systematischen Erfassung dieser Verbrechen. Seine Analyse kulminiert 1922 in dem erschütternden Buch „Vier Jahre politischer Mord“, das aufdeckt: Die deutsche Justiz verurteilt rechte Mörder kaum, während linke Straftäter mit maximaler Härte belangt werden.

Mit wissenschaftlicher Präzision und politischer Überzeugung bringt Gumbel damit ein Tabuthema auf den Tisch. Für Nationalkonservative, Burschenschaften und bald auch Nationalsozialisten wird er zur Hassfigur. Auf studentischen Veranstaltungen wird er diffamiert, seine Vorlesungen werden gestört, anonyme Drohungen häufen sich. Letztlich führt der politische Druck zur Entlassung durch das badische Kultusministerium – nicht etwa wegen wissenschaftlicher Mängel, sondern wegen seiner „politischen Gesinnung“.

1933 emigriert Gumbel nach Frankreich, verliert die deutsche Staatsbürgerschaft und lebt später in den USA. Er stirbt 1966 in New York – weitgehend vergessen von dem Land, dessen demokratische Werte er einst verteidigte. Erst Jahrzehnte später wird sein Wirken in Deutschland wiederentdeckt, unter anderem durch Gedenkinitiativen in Heidelberg.

Was wir von Gumbel lernen können – ein Blick in die Gegenwart

Gumbels Geschichte ist keine ferne Anekdote. Sie wirft ein grelles Licht auf heutige gesellschaftliche Entwicklungen. In einer Zeit, in der rechte Gewalt und autoritäres Denken in vielen westlichen Demokratien wieder an Boden gewinnen, ist Gumbels unermüdliche Arbeit gegen das Verschweigen und Bagatellisieren von politisch motivierter Gewalt hochaktuell.

Auch heute sehen wir eine Tendenz, rechten Terror zu verharmlosen oder zu relativieren. Die Aufdeckung rechter Netzwerke innerhalb von Polizei, Bundeswehr und Justiz, die Debatten um ungleich verfolgte Straftaten je nach politischer Motivation und der Hass gegen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Journalistinnen  und Journalisten – all das erinnert an Gumbels Zeit. Die Parallelen sind nicht zufällig, sondern Ausdruck wiederkehrender gesellschaftlicher Muster.

Ein Appell an unsere Zeit

Julius Gumbel war ein Demokrat, der mit den Mitteln der Wissenschaft auf Missstände hinwies. Sein Mut, die Wahrheit auszusprechen – gegen den Strom, gegen die Mehrheit, gegen staatliche Repression – macht ihn zu einer Figur, an die wir gerade heute erinnern müssen.

Sein Schicksal mahnt uns, wachsam zu bleiben gegenüber struktureller Ungleichheit, politischer Gewalt und der Bedrohung der Wissenschaft durch ideologische Angriffe. Erinnern wir uns an Gumbel nicht nur als Opfer, sondern als Vorbild für eine streitbare, faktenbasierte Zivilgesellschaft.

 

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