Dennis Buchner: 101 Jahre Friedrich-Ebert-Stiftung – Verantwortung für Demokratie damals und heute

Am 4. März 1925 – nur wenige Monate nach dem Tod von Friedrich Ebert – wurde die Friedrich-Ebert-Stiftung gegründet. 101 Jahre ist das nun her. Mehr als ein Jahrhundert, in dem Deutschland Hoffnungen, Abgründe, Neuanfänge und Bewährungsproben erlebt hat. Die Gründung dieser Stiftung war dabei weit mehr als ein organisatorischer Akt. Sie war ein politisches Versprechen.

Friedrich Ebert, Sozialdemokrat und erster demokratisch gewählter Reichspräsident Deutschlands, stand für Verantwortung in stürmischen Zeiten. Er war kein Mann großer Worte, sondern ein Pragmatiker mit klarem moralischem Kompass. In einer jungen, angefochtenen Demokratie übernahm er Verantwortung – gegen Widerstände von rechts wie von links. Sein politisches Erbe verpflichtet uns bis heute.

Die Stiftung, die seinen Namen trägt, entstand aus dem Wunsch heraus, dieses Erbe lebendig zu halten: politische Bildung zu fördern, soziale Gerechtigkeit zu stärken und die Demokratie gegen ihre Feinde zu verteidigen. 1925 war das alles andere als selbstverständlich. Die Weimarer Republik war fragil, ihre Gegner laut und entschlossen. Umso bemerkenswerter war der Mut der Sozialdemokratie, mit der Gründung der Stiftung ein klares Zeichen zu setzen: Demokratie braucht Bildung. Freiheit braucht Haltung. Fortschritt braucht Organisation.

Als Mitglied der SPD erfüllt mich dieser Jahrestag mit Stolz – aber auch mit Nachdenklichkeit. Denn wir wissen aus unserer Geschichte, wie zerbrechlich demokratische Errungenschaften sein können. Die Zerschlagung freier Institutionen nach 1933 hat gezeigt, dass Demokratie sich nicht von selbst verteidigt. Sie braucht Demokratinnen und Demokraten, die einstehen – im Parlament, auf der Straße, in Vereinen, Gewerkschaften und eben auch in politischen Stiftungen.

Gerade in unserer Zeit erleben wir erneut, wie populistische Kräfte versuchen, Vertrauen in demokratische Institutionen zu untergraben. Desinformation, soziale Spaltung und ein rauer werdender Ton bedrohen das gesellschaftliche Miteinander. Umso wichtiger ist die Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung – im Inland wie international. Sie schafft Räume für Debatte, qualifiziert junge Menschen für politisches Engagement und fördert den Dialog über soziale Gerechtigkeit, gute Arbeit und eine starke, solidarische Gesellschaft.

In Berlin, einer Stadt mit bewegter demokratischer Geschichte, wissen wir um die Bedeutung politischer Bildung. Unsere Stadt war Schauplatz von Revolution, Diktatur, Teilung und friedlicher Wiedervereinigung. Demokratie ist hier kein abstrakter Begriff, sondern gelebte Erfahrung – mit all ihren Brüchen. Institutionen wie die Friedrich-Ebert-Stiftung tragen dazu bei, diese Erfahrungen einzuordnen und in Verantwortung für die Zukunft zu übersetzen.

101 Jahre nach ihrer Gründung steht die Stiftung weiterhin für die Grundwerte, die Friedrich Ebert geleitet haben: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Diese Werte sind nicht aus der Zeit gefallen – sie sind aktueller denn je. Sie erinnern uns daran, dass Demokratie soziale Voraussetzungen braucht. Dass politische Teilhabe Bildung voraussetzt. Und dass Fortschritt nur gelingt, wenn er viele mitnimmt.

Der Blick zurück auf das Jahr 1925 ist deshalb kein nostalgischer. Er ist ein Auftrag. Ein Auftrag, demokratische Institutionen zu stärken. Ein Auftrag, soziale Spaltungen zu überwinden. Und ein Auftrag, die Erinnerung an jene wachzuhalten, die unter schwierigen Bedingungen für unsere Demokratie eingestanden sind.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung ist Ausdruck dieses historischen Bewusstseins – und zugleich ein Instrument für die Zukunft. Ihr 101. Gründungstag ist Anlass zur Würdigung. Vor allem aber ist er Ansporn, den demokratischen Auftrag weiterzuführen. In Berlin, in Deutschland und in Europa.

Denn Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist eine tägliche Aufgabe.

 
Dennis Buchner: Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 81 Jahren

Heute, am 27. Januar, erinnern wir an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee. Vor 81 Jahren endete dort eines der grausamsten Kapitel der Menschheitsgeschichte. Der Gedenktag mahnt uns, die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht zu vergessen und die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten.

Millionen Menschen wurden entrechtet, verfolgt und ermordet: sechs Millionen Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma, Homosexuelle, politische Gegnerinnen und Gegner, Menschen mit Behinderungen und viele weitere. Hinter jeder Zahl stand ein Mensch – mit einem eigenen Leben, mit Hoffnungen, Plänen und Träumen, die durch das NS-Regime gewaltsam zerstört wurden.

Erinnerungsorte wie das Mahnmal „Gleis 17“ am Bahnhof Grunewald oder die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen geben diesen Menschen ihre Namen und Geschichten zurück. Sie machen sichtbar, wohin Ausgrenzung, Hass und Entmenschlichung führen können, und fordern uns auf, Verantwortung zu übernehmen.

Am Mahnmal „Gleis 17“ erinnern wir an die Berliner Jüdinnen und Juden, die von hier aus in die Vernichtungslager deportiert wurden. In der Gedenkstätte Sachsenhausen wird die systematische Brutalität des nationalsozialistischen Terrors eindrücklich erfahrbar. Diese Orte sind Mahnungen – gegen das Vergessen und für eine wache, demokratische Gesellschaft.

Gerade in einer Zeit, in der antisemitische, rassistische und geschichtsverfälschende Tendenzen wieder lauter werden, ist das Erinnern von besonderer Bedeutung. Der Holocaust ist nicht nur Geschichte. Er ist eine Warnung für unsere Gegenwart und ein Auftrag für die Zukunft. Menschenwürde, Demokratie und Solidarität dürfen niemals zur Verhandlungsmasse werden.

Den Opfern zu gedenken heißt, aus der Geschichte zu lernen und jeder Form von Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten. Unsere Erinnerung ist ihr Vermächtnis. Nie wieder.

 
Dennis Buchner: In Erinnerung an die Anschläge vom 13. November 2015 in Paris

Heute, am 13. November, erinnern wir an die furchtbaren Terroranschläge, die vor zehn Jahren Paris erschütterten. An jenem Abend des Jahres 2015 verloren 130 Menschen ihr Leben, 683 wurden verletzt, darunter mindestens 97 schwer. Die Attentate richteten sich gegen das freie, offene und vielfältige Leben, das Paris und ganz Europa ausmacht. An fünf verschiedenen Orten im 11. Arrondissement sowie im angrenzenden 10. Arrondissement, darunter der Veranstaltungsort Bataclan sowie Restaurants und Bars, wurden zeitgleich und wahllos Menschen ermordet. Auch die Umgebung zum Stade de France im Norden vor Paris war an dem Tag ein weiterer Ort des Terrors. Dort betraf es ein Länderspiel, bei dem die deutsche Nationalmannschaft gegen die französiche Nationalmannschaft vor rund 80.000 Zuschauern spielten. Vor den Stadiontoren detonierten Sprengsätze.

Als SPD Pankow standen und stehen wir an der Seite unserer Freundinnen und Freunde der Parti Socialiste in Paris, mit denen wir seit zwanzig Jahren eine enge Partnerschaft pflegen. Unsere besondere Verbundenheit gilt dem 11. Arrondissement – einem der Orte, an denen der Schmerz und die Trauer damals besonders groß waren.

Ich möchte an dieser Stelle auch François Vauglin, den Bürgermeister des 11. Arrondissements, würdigen. Sein unermüdlicher Einsatz für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger, seine Menschlichkeit und seine klare Haltung für Demokratie und Solidarität verdienen unsere größte Hochachtung. Gerade im Jahr 2015, er war im ersten Amtsjahr war für ihn das wohl schwierigste Jahr als Bürgermeister.

Zehn Jahre nach diesen Anschlägen bleibt unsere gemeinsame Aufgabe bestehen: die Werte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gegen Hass und Gewalt zu verteidigen.

In der ARD Mediathek findet Ihr eine Reportage, die diese Tage in der ARD zu sehen war. Hier der direkte Link: ARD-Reportage

 

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