Niemand ist vergessen! Gedenken an Dieter Eich.

Veröffentlicht am 21.05.2020 in Jusos

++ Kundgebung am Samstag, 23. Mai, 15 Uhr am S-Bahnhof Buch ++

In der Nacht vom 24. Mai 2000 wurde Dieter Eich in seiner Wohnung in der Walter-Friedrich-Straße 52 in Berlin-Buch von Nazis ermordet.
Die Täter waren vier junge Männer aus der Kameradschaftsszene, die eine Wohnungseinweihung gefeiert hatten. Im Laufe des Abends zogen sie los um „einen Assi zu klatschen“. Dieter Eich, 60 Jahre alt, wohnte im gleichen Haus. Die Täter brachen in die Wohnung des schlafenden Dieter Eich ein. Sie traten ihm immer wieder gezielt gegen den Kopf und in die Magengegend. Später gingen sie noch einmal zurück in die Wohnung, um Dieter Eich mit einem Jagdmesser zu erstechen, damit dieser sie nicht bei der Polizei anzeigen kann.

Sie versuchten Spuren zu beseitigen und entsorgten ihre blutige Kleidung in einem Müllschlucker in einem Nachbarhaus. Einer der Nazis lobte den Haupttäter nach der Tat mit den Worten „Das hast du gut gemacht, der musste weg, der war asozialer Dreck“. Und in seinem Freund*innenkreis prahlte der Haupttäter mit der Tat.

Die Täter wurden gefasst, allerdings gab die Polizei erst Monate später zu, dass sie aus der rechten Szene kommen. Als Mordmotiv wurde im Prozess die Verschleierung einer Straftat gesehen und die Täter bekamen Freiheitsstrafen von 5 bis 13 Jahren.

Erst 2018 wurde Dieter Eich in die offizielle Kriminalstatistik als Opfer rechter Gewalt aufgenommen. Das ist zu einem großen Teil der Initiative „Niemand ist Vergessen“ zu verdanken.

Jeden Tag dem Faschismus entgegentreten!

Nazis und Rechte stellen sich gerne als die Unterstützer*innen der „kleinen Leute“ dar. Tatsächlich machen sie aber einen Unterschied zwischen „wertem“ und „unwertem“ Leben. Als „unwert“ gilt, wer abweicht, wer in der Leistungsgesellschaft nicht mitschwimmt, mitschwimmen kann oder will. Für die vier Täter fiel Dieter Eich, der zu diesem Zeitpunkt erwerbslos war und ihnen als „Trinker“ galt, in diese Kategorie. Sie nannten ihn einen „Asozialen“, ganz wie in der NS-Diktatur. Dass die Täter selbst immer wieder Phasen der Arbeitslosigkeit hinter sich hatten, hat sie nicht von der Abwertung anderer, hier Dieter Eich, abgehalten.

Hass auf Arme, die Vorstellung, Menschen könnten einen unterschiedlichen Wert haben und die Verbindung dieses Wertes mit der Leistungsfähigkeit eines Menschen sind Konstanten in rechter Ideologie. Und genau hier muss die Gesellschaft dem rechten Denken entgegentreten: Ein klares Bekenntnis zum gleichen Wert eines jeden Menschen ist gelebter Antifaschismus! Damit verbunden ist die Absage an die Leistungsgesellschaft. Jeder Mensch ist gleich viel wert, egal wieviel oder was er leistet! Diese Denkstrukturen sind weit in unserer gesamten Gesellschaft verwurzelt und ein Einfallstor für den Faschismus. Solidarität über alle Klassen und Grenzen hinweg ist die einzige Antwort!

#niemandistvergessen #saytheirnames

Am Wochenende jährt sich die Ermordung von Dieter Eich zum 20. Mal. Kommt zur Kundgebung am Samstag, den 23.05. um 15 Uhr zum S-Bahnhof Buch – natürlich mit Masken und haltet Abstand. Lasst uns alle gemeinsam dafür sorgen, dass Dieter Eich und alle Opfer rechten Terrors nicht vergessen werden!

 
 

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