Johannes Jacobsohn und seine Schwester Elsa Jacobsohn – Erinnern gegen das Vergessen

Veröffentlicht am 26.10.2026 in Wahlkreis

Fotograf Harf Zimmermann Mitglied der Akademie der Künste

Johannes Jacobsohn und seine Schwester Elsa Jacobsohn waren jüdischen Glaubens. In der Bötzowstraße 28 fanden beide ein Zuhause. Diese Adresse war ihre letzte frei gewählte Anschrift, bevor die nationalsozialistische Verfolgung ihr Leben unwiderruflich veränderte.

Im November 2023 wurden vor dem Haus Stolpersteine für Johannes und Elsa Jacobsohn verlegt. Die kleinen Messingplatten im Gehweg erinnern an zwei Menschen, deren Leben durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zerstört wurde. Sie halten ihre Namen und ihre Schicksale im öffentlichen Gedächtnis wach.

Zur Verlegung konnte Lisa Fox, die in den USA lebende Enkeltochter von Johannes Jacobsohn und Großnichte von Elsa Jacobsohn, damals nicht nach Berlin kommen. Nun ist sie in Deutschland und folgt den Spuren ihrer Familie. Sie besucht die Orte, an denen ihre Angehörigen gelebt haben, und nähert sich damit einem Teil ihrer eigenen Familiengeschichte, der von Verfolgung, Verlust und gewaltsamem Tod geprägt ist.

Aus diesem Anlass fand am Samstag vor dem Haus in der Bötzowstraße 28 eine Gedenkveranstaltung statt. Gemeinsam wurde an Johannes und Elsa Jacobsohn erinnert – an ihre Lebensgeschichten, an das ihnen angetane Unrecht und an die Verantwortung, ihre Namen und Schicksale nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Johannes Jacobsohn – ein Leben für die jüdische Gemeinde

Johannes Jacobsohn wurde am 23. Januar 1890 in Schmiegel bei Posen geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg lebte er in Berlin, wo er eine Ausbildung zum Kantor absolvierte. Im Jahr 1930 wurde er Oberkantor der Jüdischen Gemeinde. Mit seiner Stimme und seiner Arbeit war er Teil des religiösen und kulturellen Lebens der Gemeinde.

Doch das Leben, das er sich aufgebaut hatte, wurde durch die nationalsozialistische Verfolgung zerstört. Seine Ehefrau und seine Tochter konnten 1938 beziehungsweise 1939 nach England fliehen und sich dort in Sicherheit bringen. Johannes selbst wurde 1938 verhaftet und zu einem Jahr Haft verurteilt. Eine Auswanderung gelang ihm danach nicht mehr.

Am 27. Mai 1942 wurde er erneut von der Gestapo verhaftet. Am 28. oder 29. Mai 1942 wurde er im Konzentrationslager Sachsenhausen gemeinsam mit 249 weiteren jüdischen Männern erschossen.

Johannes Jacobsohn wurde seiner Familie entrissen, seiner Freiheit beraubt und schließlich ermordet. Sein Schicksal steht für die Zerstörung eines Lebens, das von der nationalsozialistischen Verfolgung gewaltsam beendet wurde. Die Erinnerung an ihn bewahrt zugleich das Wissen um das Unrecht, das ihm und unzähligen anderen Menschen widerfuhr.

Elsa Jacobsohn – ein Schicksal im Dunkeln

Auch Elsa Jacobsohn war von der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung unmittelbar betroffen. Sie wurde 1881 geboren, war unverheiratet und lebte seit den 1920er-Jahren in Berlin. Vermutlich wohnte sie während dieser Zeit bei einer Cousine in der Bötzowstraße 28.

Am 5. Juni 1942 wurde Elsa Jacobsohn nach Theresienstadt deportiert. Nur 17 Tage später, am 22. Juni 1942, starb sie. Die genauen Umstände ihres Todes sind bis heute unklar.

Hinter diesen wenigen Daten steht das Leben eines Menschen, dessen persönliche Geschichte nur noch in Teilen überliefert ist. Was Elsa dachte, hoffte und fürchtete, welche Menschen ihr nahestanden und was sie in ihren letzten Tagen erlebte – vieles davon wissen wir nicht. Gerade deshalb ist es wichtig, ihren Namen zu nennen, ihre Geschichte zu erzählen und sie als Menschen in Erinnerung zu behalten.

Die Stolpersteine vor der Bötzowstraße 28 erinnern an Johannes und Elsa Jacobsohn und geben ihrer Geschichte einen sichtbaren Platz im Alltag der Stadt. Sie mahnen dazu, die Schicksale der Verfolgten nicht hinter historischen Daten verschwinden zu lassen. Denn hinter jedem Namen steht ein Mensch – mit einem eigenen Leben, mit Beziehungen und Hoffnungen und mit einer Geschichte, die es verdient, erinnert zu werden.

 

Homepage Tino Schopf

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