Fehlende Klimaanlagen in der U-Bahn - Hitze auf ganzer Linie

Veröffentlicht am 17.09.2025 in Verkehr

U-Bahn der BVG an der Schönhauser Allee

von Linda Vierecke, MdA

Berlin bekommt neue U-Bahnen. Bis 2035 sollen 1500 neue Wagen in Betrieb gehen und dann über Jahrzehnte durch die Stadt rollen. Ist die U-Bahn zukunftsfest? Ausgelegt auf die steigende Sommertemperaturen sind die neuen Baureihen jedenfalls nicht. Sie bieten zwar mehr Platz, doch was fehlt, sind Klimaanlagen.

1,5 Millionen U-Bahn Fahrgäste müssen täglich mit der BVG befördert werden – an Hitzetagen ist es – ohne Klimaanlage – mindestens unangenehm und für viele Leute so heiß, dass sie darauf verzichten müssen, das Haus zu verlassen. Darum müssen wir uns Gedanken machen, wie wir unseren Nahverkehr auf diese Szenarien vorbereiten.

Klimaanlagen nachrüsten

Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt. Auch in Berlin nehmen Hitzetage und anhaltende Hitzeperioden zu. Daher finde ich es wichtig, dass wir genau schauen, welche Kühlungssysteme im Einsatz oder in der Entwicklung sind und wie das Nachrüsten von Klimaanlagen in der U-Bahn möglich wäre. Es geht um Hitzeschutz und wenn unsere Zukunft so aussieht, dass Autofahrende die Klimaanlage einschalten, wenn es zu heiß wird, aber in der U-Bahn die Menschen schwitzen müssen ist das auch eine soziale Frage.

Vorbild London

London hat die älteste U-Bahn der Welt und macht es uns vor. Dort sind die neuen Züge trotz enger Tunnel jetzt hochmodern, großzügig, klimatisiert, durchgängig begehbar und zugänglich. Hier hat man die Klimaanlagen in den Unterflurboden untergebracht und auch einen Weg für die Abwärme gefunden.Was London geschafft hat, sollte auch für Berlin gehen.

Ich halte es für ein Versäumnis, dass bei der größten Fahrzeugbeschaffung in der Geschichte der BVG die Kühlungssysteme unzureichend eingeplant wurden. Darum habe ich zwei Anfragen an den Senat gestellt (hier und hier). Die Antwort, dass Klimaanlagen nicht möglich sind, stellt mich nicht zufrieden. Es gilt weiter über Lösungen nachzudenken, z.B. ob Abluftsysteme aus den Tunneln herausgeleitet und als Wärmequelle genutzt werden können. Bei Server-Rechenzentren stehen solche Möglichkeiten schon lange im Raum.Bevor in den nächsten Jahren neue Wagen vom Werk auf die Schiene fahren, sollte der Senat weiter alle Technologien prüfen und das Berliner U-Bahn-System für die Zukunft rüsten.

Eine Frage der sozialen Gerechtigkeit

Angesichts steigender Temperaturen sind mehr als 30 Grad sowohl in den Tunneln, auf den Bahnsteigen als auch in den Zügen durchaus vorstellbar. Da reichen Lüftungsanlagen der neuen Flotte ohne Kühlung und Entfeuchtung für eine gesunde Fahrt nicht aus. Ich möchte, dass mehr Menschen den Umstieg vom motorisierten Individualverkehr zum ÖPNV schaffen und sich alle gerne, ganzjährig bei angenehmen Temperaturen durch die Stadt bewegen können. Dazu müssen wir ihnen den Aufenthalt möglichst angenehm gestalten.

 

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