Der VW-Konzern hat am gestrigen Mittwoch einseitig nahezu alle Tarifverträge gekündigt.
Damit verschärft der größte deutsche Automobilkonzern den Druck auf seine Beschäftigten
immer weiter.
Position der AfB und Afa Pankow zu aktuellen VW-Tarifkündigungen
Dabei hat die Konzernbelegschaft längst Verantwortung übernommen: Vertreten durch ihren
KBR und die IGMetall haben die Beschäftigten akzeptiert, ab 2025 jährlich auf rund 1,5
Milliarden Euro zu verzichten.
Dieser massive Beitrag zur Stabilisierung des Unternehmens steht jedoch in einem krassen
Gegensatz zur Unternehmenspolitik gegenüber den Aktionärinnen und Aktionären: Ende Juli
wurde denen 2,6 Milliarden Euro ausgeschüttet.
Gleichzeitig spricht VW-Chef Oliver Blume angesichts wirtschaftlicher Schwierigkeiten und
sinkender Gewinne (und ja: es sind immer noch üppige Gewinne) von einer Lage, die „mehr
als kritisch" sei. Wer jedoch Milliarden an Aktionäre ausschüttet, während Beschäftigte auf
Einkommen, Sicherheit und tarifliche Absicherung verzichten sollen, handelt diplomatisch
ausgedrückt unverantwortlich! Das ist nichts Anderes als Sozialraub auf Kosten der
Beschäftigten - während Aktionäre weiterhin schamlos bedient werden.
Als SPD-Basis fordern wir - der AfA Pankow gemeinsam mit dem AfB Pankow - die VW-
Arbeitgeberseite auf, die Kündigung der Tarifverträge unverzüglich zurückzunehmen.
Darüber hinaus muss der Vorstand endlich damit beginnen, verlorenes Vertrauen
wiederherzustellen. Dazu gehört vor allem, Verantwortung für eigene wirtschaftliche
Fehlentscheidungen zu übernehmen, statt deren Folgen einseitig auf die Beschäftigten
abzuwälzen.
Es kann nicht sein, dass einerseits Arbeitnehmerinnen Jahr für Jahr auf Milliarden verzichten
sollen, während sich andererseits jene, die sich nicht an der Wertschöpfung durch Arbeit am
Unternehmen beteiligen, weiterhin durch Ausschüttungen Hoher Renditen bereichern.
Die SPD ist historisch und politisch aus der Arbeiterinnenbewegung hervorgegangen.
Deshalb muss sie in dieser Frage klar Haltung zeigen und die Arbeitgeberseite deutlich in
ihre Schranken weisen. Verantwortung darf nicht nach unten delegiert, während Gewinne
nach oben verteilt werden.
Das gleiche gilt für die Fachkräftesicherung von morgen. Wenn für junge Talente die
Übernahmegarantie nach der Ausbildung, ein Hauptargument sich für einen Betrieb zu
entscheiden, wegfällt, sinkt auch die Attraktivität der betrieblichen Ausbildung.
Es gilt ein einfacher Grundsatz: Erst die Übernahme sozialer Verantwortung, dann die
Ausschüttung von Gewinnen!
Zusammengefasst: Tarifverträge, Arbeitsplätze und soziale Sicherheit dürfen nicht zur
Verhandlungsmasse werden, während Aktionäre weiterhin Milliarden erhalten.
Dean Gärtner
AfB Pankow